Warum Einsteins Relativitätstheorie richtig ist, aber nicht die wahre Wirklichkeit aufdeckt

EinsteinUnion JackDER AUSGANG DES
MENSCHEN AUS SEINER SELBST VERSCHULDETEN HÖHLE

Selbstverständlich will ich nicht philosophisch die Relativitätstheorie von Einstein widerlegen. Ich will sie nicht einmal bestreiten. Was ich will, ist ihre Deutung in Frage stellen. Was heisst hier Deutung? Was sie im Verhältnis zum Menschen ist.

Der Kosmos hat Ausmaße, die über jede Vorstellung hinausgehen. Seit einer unvorstellbaren Anzahl von Jahren, die ebenfalls jede Vorstellung übersteigen, existiert hier eine Balance, die auf diesem Planeten eine Evolution zuließ, aus der die Gattung Mensch hervorging. Nach wie vor ist es ein Geheimnis, warum dieser Kosmos überhaupt existiert und woher die konstruktiven Ordnungskräfte kommen, die diese Balance und damit diese Evolution ermöglichten.

Ohne dass diese Fragen beantwortet wären, haben die Erkenntniskräfte der Menschen, die zugleich ihre Existenzbedingungen sind, Zusammenhänge und Gesetzmäßigkeiten dieser Ordnung erfassen können. Die Wissenschaft hat auf diese Weise nicht nur Orientierungen auf der Erde und im Weltraum ermittelt, sondern Strukturen erfasst, die im großen Stil praktische Nutzungen im Interesse der Menschen ermöglichten, d.h. die Technik.

Ebenfalls entstanden metaphysische und religiöse Gedankengebäude, die sich auf das ungeklärte kosmische Ganze bezogen. Die Wissenschaft und diese Gedankengebäude scheinen bis heute nur in einem Nebeneinander vereinbar und tolerierbar zu sein. Wo sie wechselseitig ins andere Terrain übergehen, kommt es zu fragwürdigen Vermischungen, Wissenschaft wird zur Spekulation und Spekulation zu Wissenschaft.

Einsteins Theorie ist Wissenschaft. Er würfelt so wenig wie Gott. Jetzt sind sogar die Gravitationswellen gemessen worden. Und es soll Beweise für die Existenz der sogenannten schwarzen Löcher geben. Was könnte man nun aus einer Sicht der Philosophie daran monieren? Gar nichts! Die Relativitätstheorie gibt höchstens Anlass, über die Stellung des Menschen im Kosmos nachzudenken, d.h. auch über das, was Wirklichkeit ist. Es ist der gleiche Anlass, den Platons Höhlengleichnis im siebten Buch der Politeia zur Selbstbesinnung aufgibt.

Die Menschen sitzen – dem Gleichnis nach – mit dem Gesicht in Richtung des Inneren der Höhle. Sie sehen nur die Schatten der Gegenstände, die draußen vor der Höhle vorbeigetragen werden, und sie halten diese aus Gewohnheit und weil sie nichts anderes kennen, für die Wirklichkeit. Sie sind gefesselt, gefangen in dieser Haltung. Es bedürfte einer Umwendung, um die wirklichen Gegenstände und auch das Licht und die Sonne als Ursache der Schatten und als wirkliche Wirklichkeit zu erkennen. Unsere alltägliche, natürliche Einstellung der Erkenntnis, d.h. in der uns die Welt durch die sinnliche Wahrnehmung gegeben ist, wird von Platon der Gefangenschaft in der Höhle gleichgesetzt. Allein die „Erhebung der Seele in das Reich des nur geistig Erkennbaren“ würde der Gefangenschaft entgehen.

Was bedeutet dieses Gleichnis? Es bedeutet, dass unsere natürliche Einstellung in der Erkenntnis nur den Schein der Wirklichkeit, nicht aber die Wirklichkeit selbst erfasst. Der Schein wird für die Wirklichkeit selbst gehalten. Zur Wahrheit ist nur durch die entgegengesetzte Perspektive zu unserer natürlichen Einstellung zu gelangen. Zieht man die späten Dialoge von Platon über Erkenntnis zu Rate, so ist das Gleichnis unschwer zu deuten. Nicht die Richtung, die wir in der Erkenntniseinstellung der sinnlichen Wahrnehmung einnehmen, kann Erkenntnis erklären, sondern erst die Reflexion auf die Anamnesis schafft den Zugang zu den transzendental aller Erkenntnis zugrunde liegenden Ideen.

Es ist nicht nur der Bruch mit der Sinnlichkeit, sondern mit der gesamten menschlichen Lebenswelt, der hier zum Ausdruck kommt. Eine andere Welt wird als die reale erklärt. D.h. die erfahrbare Welt, in der wir leben, wird relativiert, entfremdet und entwertet, wenn man dem Gleichnis folgt. Das Wesentliche des Seins wird aus der Immanenz der Lebenswelt hinausgesetzt. Das muss nicht nur metaphysisch oder religiös gedeutet werden, sondern kann auch wissenschaftlich verstanden werden.

Weshalb wissenschaftlich? Weil in der verbreiteten wissenschaftlichen Einstellung die paradigmatische Auffassung herrscht, dass die wahre Wirklichkeit in den Gesetzen und Theorien besteht, die durch die Naturwissenschaft ermittelt und hervorgebracht werden, während unsere natürliche, normale Einstellung nur subjektive, anthropologisch bestimmte und beschränkte Erkenntnis liefert. Sofern diese Auffassung in der Naturwissenschaft maßgeblich ist, ist unser Aufenthalt in der Welt gekennzeichnet durch eine Bindung an eine spezifische, nicht zu verabsolutierende Erkenntnisform unserer Gattung, die der Erhaltung dient, aber nicht die Wirklichkeit erfasst. Was wir für wahr halten, ist ein oberflächliches Bild der Wirklichkeit, wenn nicht gar eine Täuschung. Aber damit befinden wir uns in einem Dilemma. Denn die wirkliche Welt, die wir wissenschaftlich erkennen, nach der können wir nicht leben. Aus dem Dilemma kommen wir nicht heraus. Selbst wenn wir wissenschaftlich zu dem Resultat gelangen. Der Euklidische Raum und die Newtonsche Mechanik bleiben für unsere Lebensweise bestimmend. Wir bleiben bei der Unterscheidung von Raum und Zeit. Wir müssen dabei bleiben. Wir können gar nicht anders.

Darüber hinaus widerspricht die Relativierung unserer Lebenswelt der Logik der Evolution: Unter dem Gesichtspunkt der Evolution, den Platon nicht hatte, aber wir, ist davon auszugehen, dass die Natur den Menschen als bisheriges Endprodukt hervorgebracht hat, woraus zu schließen ist, dass die menschliche Realität nicht eine rudimentäre, unvollkommene Existenzform sei, die nur zur Erkenntnis der Schatten der Wirklichkeit fähig sei. Ganz im Gegenteil muss unter evolutionären Aspekten anerkannt werden, dass die Natur die menschliche Existenzweise in einer vor allem mentalen Entwicklung über Umwege und Unterbrechungen als eine bestimmte, nicht zufällige hervorgebracht hat, so dass diese ultimative Wirklichkeit besitzt. Im Menschen schlage die Natur die Augen auf, ist ein passender Satz von Schelling.

Allem anderen – wie den schwarzen Löchern – mag auch ein Vorhandensein zugestanden werden,
aber durch diese Anerkennung muss die menschliche Wirklichkeit nicht zwangsläufig eine negatorische Herabsetzung ihrer Erkenntnisqualität erfahren. Alle wissenschaftlichen Erkenntnisse in Relativitäts- und Quantentheorie – wie auch in allen andern Theorien – ergeben Bedingungen der Möglichkeit für die menschliche Realität auf diesem Planeten und in diesem Kosmos. Aber Bedingungen der Möglichkeit einer Sache sind nicht die Wirklichkeit derselben.

Auch bei Kant gibt es Platons Höhle, aber in völlig anderer Gestalt: in der Dichotomie von Erscheinung und Ding an sich. Wie in Platons Höhlengleichnis gelangen die Menschen in ihrer natürlichen Einstellung nicht zur Erkenntnis der Dinge an sich, sondern nur zur Erscheinung derselben. Die eigenen Erkenntnisbedingungen legten die Menschen auf ihr spezifisch anthropologisches Verhältnis zur Welt der Gegenstände fest. Erscheinung gilt für Kant nicht als Schein; Erscheinung erfasst durchaus die Gegenstände, aber in menschlicher Weise, d.h. unter den anthropologischen Bedingungen des Apriori. Doch der Bruch mit der Welt der Gegenstände, den Dingen an sich, bleibt bestehen. Wie die Dinge wirklich sind, d.h. unabhängig von unserer Erkenntnis, wissen wir nicht und können wir nicht wissen. Erfahrung ist Erfahrung der Erscheinungen. Diese natürliche Form der Erkenntnis bleibt auch für die theoretische Vernunft, d.h. die naturwissenschaftliche Rationalität geltend. Die Naturwissenschaft kann die Formen a priori nicht überspringen. Sie bleibt in deren Grenzen.

Es ist hier nicht der Ort, die Auseinandersetzung mit dieser Position Kants zu führen, wie sie zum Beispiel Hegel geführt hat. Hervorgehoben werden sollte, dass auch in der Konzeption von Kant die natürliche Einstellung der Erkenntnis der Menschen nicht zur Erkenntnis der Dinge an sich gelangt. Wie bei Platon gibt es eine Spaltung zwischen der natürlichen Erkenntniseinstellung der Menschen und der „wirklichen“ primären Wirklichkeit. Die Unterscheidung zwischen Schein und Wirklichkeit wird bei Kant zur Unterscheidung zwischen Erscheinung und Ding an sich.

Die Irritation darüber, dass die subjektiven menschlichen Bedingungen der Erkenntnis nicht identisch mit der Natur an sich sind, dass Erscheinungen nicht Dinge an sich sind, hat die Distanz der Menschen zur Welt, in der sie leben, zur Folge. Auch wenn im praktischen Lebensvollzug dadurch keine Schwierigkeiten entstehen, bleibt die wirkliche Welt, die Natur wie sie wirklich ist, in unerreichbarer Ferne. Die Lebenswelt der Menschen ist unter dieser Voraussetzung nichts Absolutes. Die Menschen bleiben in den eigenen Formen der Erkenntnis befangen. Eine Relativierung der Lebenswelt ist die Konsequenz. Es ist das Bemerkenswerte, wie gerade Kants Kopernikanische Wende, die die Spontaneität und Aktivität der Menschen in ihrem Verhältnis zur Natur begründet, dazu führt, dass die Menschen in ihren eigenen Bedingungen gefangen bleiben. Das Bewusstsein der Spontaneität der Subjekte, schlägt um in die Relativierung der Lebenswelt der Subjekte. Das Höhlengleichnis Platons und Kants Lehre vom Ding an sich haben dazu beigetragen, einen Primat der Transzendenz zu erzeugen.

An dieser Stelle müßte nun näher auf Hegels Dialektik, auf Diltheys Begriff des Lebens und auf Husserls Phänomenologie eingegangen werden, doch die Kürze, mit der dieser Blog abgefasst werden soll, erlaubt es nicht.

Die Konsequenz, die hier aufgezeigt wurde, muss historisch wohl nicht als die endgültige angesehen werden. Die rigide Art und Weise, wie die Menschen die Natur zu ihrem Mittel machen, was sogar die Existenz ihrer eigenen Gattung bedroht, zeigt eine erkenntnismäßige und praktische Durchdringung und Erfassung der „wirklichen“ primären Wirklichkeit, dass es berechtigt ist, Erkenntnis der Natur und Sein der Natur als einen einheitlichen Zusammenhang verschiedener Dimensionen anzunehmen.

Was haben nun Platons Höhlengleichnis und Kants Ding an sich mit der Relativitätstheorie von Einstein zu tun? Die Theorie von Einstein gilt hier nur als Beispiel für die Gesetze und Theorien der Naturwissenschaft generell. Die naturwissenschaftlichen Gesetze und Theorien gelten gegenüber der natürlichen menschlichen Wahrnehmung als die Art und Weise, wie die Wirklichkeit objektiv erfasst wird. Objektiv heisst dann: nicht wie die Menschen die Dinge sehen und denken, sondern wie sie unabhängig davon in der Natur sind. Wenn wie in der Relativitätstheorie Raum und Zeit sich zu einer vierdimensionalen Raumzeit vereinigen lassen und die Unterscheidung von Raum und Zeit bloß eine Eigenheit der menschlichen Wahrnehmung ist, dann stimmt diese Theorie mit Platons und Kants Ansicht darin überein, dass die natürliche menschliche Erkenntnisweise nicht als eine vom Menschen unabhängige und in dem Sinne objektive angesehen werden kann.

Lässt sich etwas dagegen sagen? In einer Zeit vorherrschender naturwissenschaftlicher und technischer Rationalität haben es Gegenargumente schwer, Anerkennung zu finden. Das heisst aber nicht, dass sie unmöglich sind. Und es heisst auch nicht, dass sie nicht richtig sein können.

Die Erkenntnisweise des Menschen unterscheidet sich grundsätzlich von der aller anderen Lebewesen, die wir kennen. Während diese auf eine bestimmte Art, auf diejenige, die zur Erhaltung der Art notwendig ist, festgelegt und eingeschränkt sind, vermag der Mensch den verschiedenen Vorkommnissen in der Natur, den Kräften, Elementen und Strukturen, das ihnen gemäße Maß anzulegen. Im Gegensatz zu den Ultraschallwellen der Fledermäuse z. B., die damit nur erfassen, was ihrer Bewegung und Nahrungssuche dient, geht die menschliche Erkenntnisweise darüber weit hinaus. Die Menschen verstehen auch das Andere, das ihrer Spezies nicht gemäß ist, z. B. die Ultraschallwahrnehmung der Fledermäuse, die nicht zur eigenen Erkenntnisart gehört.

Eine besondere Rolle in der Erkenntnis spielt die Mathematik. Bereits die Pythagoreer erkannten, dass die Mathematik nicht nur eine besondere Form des menschlichen Denkens ist, sondern etwas mit der Welt zu tun hat. Ihnen erschloss sich, dass die Mathematik in vier Dimension, dem Raum (der Geometrie), der Zeit (der Arithmetik), der Astronomie und der Musik unabhängig vom Menschen vorkommt. Sie begriffen, dass die Mathematik zur Weltstruktur gehört und damit nicht bloß eine subjektive Eigenschaft der Gattung Mensch ist. Für Platon war dies der Ausgangspunkt zu seiner Ideenlehre. Die Mathematik wurde als eine geistige Weltstruktur begriffen, die unabhängig von den Menschen besteht, woran sie aber durch ihre geistigen Fähigkeiten Anteil haben.

Was will ich sagen? Das Höhlengleichnis von Platon beziehe ich auf die Relativitätstheorie von Einstein. Während die Natur im Menschen, in dem entwickeltsten Wesen der gesamten Naturgeschichte, die Ausdifferenzierung von Raum und Zeit evolutionär hervorgebracht hat, werden nach der allgemein herrschenden paradigmatischen Deutung der Naturwissenschaften ihre Ergebnisse als die wahren, d.h. als diejenigen angesehen, die die Wirklichkeit erfassen, so dass demgemäß die durch die Relativitätstheorie ermittelte Raumzeit die Wirklichkeit darstellt. Die von den bewußten Menschen erlebte Wirklichkeit, z. B. die Unterscheidung von Zeit und Raum ist dann nur Schein, die wirkliche Wirklichkeit verhält sich ganz anders.
Das heisst, eine in der Komplexität des Kosmos vorkommende Form der physikalischen Zusammenhänge wird gegen die weitaus höhere des lebendigen, bewussten Daseins als allgemein gültige gestellt. Das szientistische Paradigma verabsolutiert die Geltung seines Kriteriums der für wahr gehaltenen Erkenntnis. Es schliesst das Bewusstsein seiner Grenze systematisch aus. Und es negiert, was außerhalb dieser Grenze liegt. Die Wirklichkeit wird unter physikalisch-mathematischen Gesichtspunkten betrachtet und gedeutet, nicht aber unter den Gesichtspunkten des lebendigen bewussten Menschen, für die das Physikalische sekundär ist.

Die Gültigkeit der naturwissenschaftlichen, mathematisch-naturwissenschaftlichen Erkenntnis soll nicht geleugnet werden. Es gibt Naturgesetze. Die Relativitätstheorie soll nicht bestritten werden. Aber die Wirklichkeit ist der Mensch; seiner Lebenswelt entspricht seine natürliche Erkenntnis. Die Lebenswelt des lebendigen, bewussten Menschen ist die Wirklichkeit. Sie ist das Primäre. Und auch der Ausgangspunkt aller Forschung und Wissenschaft. Alle Erkenntnis kann akzeptiert werden: der Physik, der Chemie usw. Aber sie erklären Phänomene der Natur und des Kosmos, nicht aber den Menschen, der als lebendiges, bewusstes Wesen seine Lebenswelt als Wirklichkeit besitzt, wie die Natur sie ursprünglich hervorgebracht hat. Den Menschen in irgend einer Weise auf die mathematisch-naturwissenschaftliche Dimension zurückführen zu wollen, ihn von dorther verstehen zu wollen, ist das fundamentale Missverständnis. Es verhindert das wirkliche Verständnis des Menschen.

Ist diesem Dilemma nicht zu entrinnen? Ist der Widerspruch zwischen der Lebenswelt und der Wissenschaft unüberbrückbar? Wie wäre er zu überwinden? Gibt es ein Gegengleichnis, ein Gegenbild zur Höhle Platons?

Das Gegenbild zur Höhle ist die Welt. Jedes Bewusstsein „hat“ Welt. Es ist die Unendlichkeit von Raum und Zeit in der Vorstellungswelt. Es ist die Universalität, die unbegrenzte Fähigkeit, die Vielfalt der Realität auf den Begriff zu bringen. Erkenntnis gründet in der Erfassung von Weltstrukturen, ist keine subjektive Form der Selbsterhaltung, wenn sie auch dazu dient. In diesem Zusammenhang wird in der philosophischen Tradition von Geist gesprochen. Alle naturwissenschaftliche Erklärung der Natur, wie sie die Relativitätstheorie oder die Quantenphysik vorbringt, abstrahiert von der Weltstruktur, die im natürlichen menschlichen Bewusstsein gegeben ist. Es ist zugleich das Paradoxe, dass alle Wissenschaft immer von ihr Gebrauch macht, indem ihre Ergebnisse, die Gesetze und Theorien, geistige Strukturen darstellen. Dass der Geist in der natürlichen Einstellung des Menschen nicht nur vorhanden ist, sondern das Spezifische dieser Gattung ausmacht, das ist der entscheidende Punkt dafür, dass die menschliche Lebenswelt die ursprüngliche Wirklichkeit ist. Die Wissenschaft und auch die Technik sind sekundäre Erscheinungen dieser Lebenswelt.

Das Fazit: Wir Menschen befinden uns in unserem Dasein nicht in einer Höhle, sondern in der leuchtend freien und weiten Welt.

 

WHY EINSTEIN’S THEORY OF RELATIVITY IS IMPORTANT, BUT DOES NOT REVEAL TRUE REALITY

 

flagge-deutschland-flagge-rechteckig-40x67 NeuronenMAN’S EMERGENCE FROM HIS SELF-INCURRED CAVE

Of course, I do not wish to philosophically disprove Einstein’s theory of relativity. I do not even want to dispute it. What I want to do is question its meaning. What does meaning stand for here? What it is in relationship to mankind.

The cosmos has dimensions that exceed every imagination. Since an inconceivable number of years, which is also beyond our imaginative powers, a balance has existed on this planet which has allowed the evolutionary development that produced the human species. It is still a mystery why this cosmos even exists or where the constructive forces of order come from that made this evolution possible.
Without answering these questions, man’s powers of cognition, which are also his terms of existence, have recognised the coherencies and principles of this order. In this way, science has not only established orientation on earth and in space, but has grasped structures which enable us practical usage in a grand way, i.e. technology.

Metaphysical and religious edifices of thought were also developed relating to the still unexplained cosmic entirety. It would seem that these concepts and science are today still only compatible and tolerable to each other side by side. Where they reciprocally enter each others domain questionable mixtures result: science becomes speculation and speculation becomes science.
Einstein’s theory is science. He does not throw dice any more than God does. Now even gravitational waves have been measured, and there are supposedly proofs for the existence of the so-called Black Holes. What is there to complain about from the philosophical point of view? Absolutely nothing! The theory of relatively gives us at best occasion to consider the position of humanity in the cosmos, i.e. and also the nature of reality. It is the same occasion for self-reflection caused by Plato’s cave parable in the seventh book of the Republic.

People are sitting – according to the parable – facing the inside of the cave. They only see the shadows of the objects being carried past the entrance, and, through habit and because they know nothing else, hold them for reality. They are bound, imprisoned in this attitude. A turnaround is necessary in order to recognise true reality by realising that the real objects, with the light from the sun, are the causes of the shadows. Our daily, natural state of awareness, i.e. the world as perceived through our senses, is equated by Plato with imprisonment in the cave. Escape is only possible through ‘Raising the soul into the realm of things which are only perceivable to the spirit’.

What does this parable mean? It means that our usual attitude to knowledge only recognises the appearance of reality, not reality itself. Appearance is considered to be reality itself. We can only reach truth by reversing the perspective of our natural attitude. By referring to Plato’s later dialogues about knowledge, it is not difficult to interpret the parable. Knowledge is not explained by the direction of our sensual perception, but only by reflection of the anamnesis can we access those fundamental ideas which lie transcendental to all knowledge.

It is not only a breach with sensuality, but with the whole of human world, that is expressed here. Another world is declared to be real. That means, if you follow the parable, that the world of experience, in which we live, is relativised, alienated and degraded. The essence of being is raised above the immanence in everyday life. This does not have to be philosophically or metaphysically interpreted, it can also be understood scientifically.

Why scientifically? Because in the widespread scientific view the paradigmatic notion dominates that true reality resides in the laws and theories which have been detected and determined by science, while the normal attitude only produces subjective, anthropologically determined and limited knowledge. As long as this outlook is authoritative in science, our stay in this world is characterised by a bond to a specific, not absolute form of knowledge that serves our survival, but does not grasp reality. What we consider true is a superficial impression of reality, if not an illusion. But through that we find ourselves in a dilemma, and because we can’t live in the real world as recognised by science, we find no way out of it. Even if we arrive at this result scientifically. Euclidean space and Newtonian mechanics remain definitive for our way of life. We stick to the separation of space and time. We have to stay there. We’re incapable of doing otherwise.

Furthermore the relativisation of our world contradicts the logic of evolution. Considering evolution, which Plato could not do, but we can, it can be assumed that humans are until now the end product of nature, from which we can reason that human reality is not a rudimentary, imperfect form of existence only capable of seeing the shadows on the wall. On the contrary, evolutionarily it must be recognised that nature has produced the human way of existence through a primarily mental development which, over diversions and interruptions, has produced a definitive, non-random form of existence, so that this possesses ultimate reality. In humans nature opens her eyes and sees that she exists, is a suitable sentence by Schelling.

Everything else – like the black holes – the existence of which can be admitted, but through this admission human reality does not necessarily experience a degradation of its quality of knowledge. All scientific knowledge relating to the theories of relativity and quantum physics -and all other theories – produces the conditions of possible knowledge in human reality on this planet and in the cosmos. But conditions of the possibility of something are not the same as the thing itself.

With Kant too we have Plato’s cave, but in a completely different form: in the dichotomy between appearance and the “thing-in-itself”. As in Plato’s cave parable, with his natural approach man does not attain knowledge of the things-in-themselves, but only their appearance. Man sets his own terms of awareness according to his own specific anthropological relationship to the world of objects. Appearance was for Kant more than apparition; appearance definitely encompasses the objects, but in a human way, i.e. under the a priori anthropological terms. But the break with the world of objects, the things-in-themselves, remains. We don’t know, nor can we know, what things really are, i.e. independent of our awareness. Experience is the experience of appearances. This natural form of knowledge is also valid for theoretical reason, i.e. for scientific rationality. Science cannot a priori ignore form. It remains within its boundaries.

Here is not the place to discuss Kant’s position as, for example, Hegel did. It shall be stressed however that in Kant’s conception too the natural approach to knowledge does not lead to recognition of the things-in-themselves. As with Plato, there is a divide between man’s natural approach to knowledge and the ‘real’ primary reality. The difference between appearance and reality becomes by Kant the difference between appearance and the thing-in-itself.

The irritation caused by the fact that the subjective human terms of knowledge are not the same as nature herself, that appearances are not the things in themselves, has consequentially distanced man from the world in which he lives. Even if this does not cause any practical problems, the real world, nature as she really is, remains unattainably remote. According to these assumptions, the human world is in no way absolute. People stay biased in their own mode of awareness. The consequence is a relativisation of the everyday world. It is striking that it is exactly Kant’s Copernican turn around, which accounts for man’s spontaneity and activity in relation to nature, that leads to man being imprisoned by his own terms. The consciousness of the spontaneity of the subject reverts to a relativisation of the subject’s everyday world. Plato’s cave parable and Kant’s teaching of the thing-in-itself have contributed to creating a primacy of transcendence.

At this point we should discuss Hegel’s dialectic, Dilthey’s concept of life and Husserl’s phenomenology, but the brevity of this blog does not permit it.

The implications shown here do not have to be regarded as historically conclusive. The rigid way that man uses nature for his own purposes, which threatens even his own species, shows a cognitive and practical comprehension and grasp of the “real” primary reality, so that it is justified to presume that knowledge of nature and the essence of nature are a unified interrelation of different dimensions.

Now what have Plato’s cave parable and Kant’s thing-in-itself to do with Einstein’s theory of relativity? Einsteins theory is used here only as an example of the theories and laws of science generally. Scientific laws and theories are considered, according to natural human perception, as the manner in which reality is objectively understood. Objective then means: not how humans see and think things, but how they are independently thereof in nature. If, as in the theory of relativity, space and time merge into a four dimensional space-time and the separation of space and time is only a idiosyncrasy of human perception, then it conforms with Plato’s and Kant’s viewpoint that the natural human awareness cannot be regarded as independent from humans and in this sense cannot be regarded as objective.

Can anything be said against this? In a time when scientific and technological rationality dominate, counter-arguments have difficulty finding recognition. That does mean though that they are impossible. And furthermore, it also does not mean that they cannot be right.
Man’s ways of knowing are fundamentally different from those of every other living creature known to us. While these others are defined and limited in a certain way, necessary for the survival of the species, man is able to gauge natural occurrences, the forces, elements and structures, appropriately. As opposed to the bat’s ultra sonic ability for example, which only perceives what is necessary for its movement and search for food, man’s awareness goes much further. Humans also understand the other, that which is not peculiar to our species, e.g. the ultra sonic waves of the bats which do not belong to our kind of awareness. Mathematics play a special role in knowledge. The Pythagoreans already realised that mathematics is not only a special way of human thinking, but also has something to do with the world. They realised that mathematics in four dimensions, space (geometry), time (arithmetic), astronomy and music, exist independently of people. They understood that mathematics are a part of the world’s structure and so are not only a subjective characteristic of the human species. This was the point of departure for Plato’s teaching about ideas. Mathematics were understood as a spiritual world order that exists independently of man, of which he partakes through his mental abilities.

What am I trying to say? I am bringing Plato’s cave parable to bear on Einstein’s theory of relativity. Whilst nature in humans, the most developed living beings in the whole of natural history, has evolutionarily brought out the differentiation of space and time, the results of science, according to the generally dominant paradigmatic interpretation, are considered to be the truth, i.e. accepted as the ones that show reality, so that according to them the space-time established by the theory of relativity is considered to be reality.

The reality experienced by conscious people, e.g. the separation of space and time, is accordingly only an apparition, the real world behaves completely differently. That means that a form of physical association that occurs in the complexity of the cosmos is considered to be universally valid above the far superior living conscious existence. The scientific paradigm absolutises the validity of its criteria so that it is taken to be true knowledge. It systematically excludes consciousness of its limitations. And it negates what lies beyond these limitations. Reality is seen and understood by its physical-mathematical aspects and not by the aspects of a living conscious being, for whom physics is secondary.

The validity of the scientific, scientific-mathematical knowledge should not be denied. The laws of nature exist. The theory of relativity should not be refuted. But man is the reality: his living environment according to his natural cognition. The living environment of the living, conscious man is reality. It is the basis. And it is also the source of all research and science. All knowledge can be accepted: physics, chemistry, etc.. But they explain the phenomena of nature and the cosmos, but not people, who as living, conscious beings hold their world for the reality as originally produced by nature. The fundamental misunderstanding is to want to reduce man to the mathematical-scientific model, and to try to understand him from that stand point. It hinders the true understanding of mankind. Is there no escape from this dilemma? Is the contradiction between the human world and science insoluble? How could it be overcome? Is there an opposite parable, a counter-image to Plato’s cave?

The counter-image to the cave is the world. Every consciousness ‘has’ the world. It is the endlessness of space and time in the world of the imagination. It is universality, the unlimited capability, to refine the diversity of reality to a single concept. Knowledge is based on the comprehension of world structures, and is not a subjective form of self-preservation, even if it serves that purpose. In this context one speaks of spirit in the philosophical tradition. All scientific explanations of nature, as put forth by the theory of relativity or quantum physics, are abstracted from the world structure which is natural to human consciousness. It is at the same time paradoxical, that all science always makes use of this world structure, by representing the results, the laws and theories, as spiritual structures. The spirit is not only present in the natural human attitude, but defines what is specific to this species, that is the decisive point that shows that the living human world is the primordial reality. Science, and technology too, are secondary aspects of this world.

The upshot: we humans find ourselves in our existence not in a cave, but in the bright, free and wide world.

Ein Gedanke zu „Warum Einsteins Relativitätstheorie richtig ist, aber nicht die wahre Wirklichkeit aufdeckt“

  1. Mens sana in corpore sano oder Wissenschaft zwischen Wahn und Wirklichkeit

    Der blog erinnert zunächst an eine Predigt, der als solcher in der Regel guter Wille unterstellt zu werden pflegt. Jeder Prediger vertritt jedoch auch eine Reihe von Dogmen, die ihn hindern, unvoreingenommen zu argumentieren. Philosophen und andere Geistliche haben über Jahrhunderte Körper und Geist als getrennt beschrieben. Dies eigentlich schon zu lange und jetzt sollen auch noch Wissenschaft und Lebenswelt getrennt werden. Die Relativitätstheorie ist denkbar ungeeignet um Lebenswelt und Wissenschaft zu trennen. Die wahre Wirklichkeit der Theorie zeigt sich an einem harmlosen Beispiel.

    Eine hoch(aus)gerüstete Drohne kann ein bestimmtes Krankenhaus aus der Ferne nur dann ansteuern (und zerstören), wenn dabei Regeln der Relativitätstheorie beachtet werden, d.h. programmiert sind. Die Lebenswelt ist wirklich be(ge)troffen. Die Gesetze haben vermittelt, der Geist ist außerhalb der Höhle zu nicht ganz reiner Erkenntnis gelangt. Die Bedingungen der Möglichkeit sind (hier allerdings leider) wahre Wirklichkeit geworden.

    Hinzuweisen ist auch auf einen Bruch im Bereich der Logik der Evolution. Dies erinnert an die Vorrsehung, wie sie in einem früheren Text schon bekrittelt wurde. Ich bin allerdings der Meinung, dass die Logik der Evolution die Logik der Naturgesetze ist. Warum versteift sich der blogger auf das Paradigma von Raum und Zeit? Die Menschen konnten z.B. lange auf einer Scheibe leben, ohne deshalb Seelenqualen zu leiden. Nach 1915 haben zunächst nur wenige Physiker die Relativitätstheorie verstanden und der Quantensprung hat im heutigen Sprachgebrauch eine Bedeutung erlangt, die dem Gegenteil seines physikalischen Sinnes entspricht. Das tut auch nicht so recht weh. Spätestens 1941 sprangen die wichtigsten apriori um zu evolutionären aposteriori (vgl. K. Lorenz). Warum die Aufregung? Wer aber gegen die Wissenschaft eifert, der sollte ein wenig davon verstehen. Am besten geht man mit deren eigenen Waffen vor. Fragt mal einen Physiker was Materie ist. Vielleicht kommt er mit Gleichungen, Feldern und Schwingungen, nicht jedoch mit handfesten Dingen unseres Materialismus.

    Ein versöhnlicher Gedanke sei noch gestattet, er könnte vielleicht zu einer kopernikanischen Wende mutieren. Der Urmensch, genannt Adam, musste dringend seine Phantasien als Hirngespinste erkennen, sonst wäre sein Körper vom Geist in die Irre geführt worden. Er hätte ein von der Wirklichkeit der umgebenden Natur abschweifendes, vielleicht ein ausschweifendes Leben geführt und die Menschheit wäre nach einer kurzen Blützeit ausgestorben bevor der geliebte Parmenides geboren war und den Geist als solchen erkennen konnte. Das Gehirn musste zu seinem eigenen Schutz und dem der Art gewisse geistige Abläufe, Gedanken, Phantasien, die richtig eingesetzt natürlich von Vorteil sind, steuern, d.h. diese mussten als solche indiziert werden. Eine Art Administrator – hier könnte man das Wort Epoché besser verwenden – kontrolliert bestimmte geistige Vorgänge auf sinnvoll verwertbare Anwendung. Soweit das bewusst geschieht, konnte sich Geist als Phänomen etablieren und über die Jahrhunderte hinweg als getrennt vom Körper in der Vorstellungswelt halten. Heute ist es an der Zeit, Körper und Geist als Einheit zu sehen, bevor der Mensch daran geht, das Gehirn durch Implantate in seiner Funktion zu beeinträchtigen. Die Welt ist komplex genug. Wir müssen froh sein, dass nicht noch mehr Menschen verrückt werden, weil die Gehirnpolizei überfordert wird.

    Manch ein Gehirn kann die Relativitätstheorie nicht verstehen (oder gibt sich keine Mühe), aber in der sozialen Gemeinschaft müsste es so viel Grips geben, dass deren Implikationen auf die reale Lebenswelt erfasst werden. Geistige Arbeit ist zum Teil Gemeinschaftswerk, aber der Geist schwebt nicht über den Büchern, sondern in den Köpfen (noch nicht so richtig in den Computern).

    Adam! Du sollst nicht alle Phantasien ausleben!

     

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